Ugandareise vom 8.3.2010 bis 30.3.2010. Dr. Agnes Wagner, Werner Jaksch
Ziele der Reise:
Information über den Stand der einzelnen UAAH geförderten Projekte.
Kostenlose zahnärztliche Hilfe in den einzelnen Projekten.
Werner Jaksch berichtet:
Bei dieser Reise hat mich Frau Dr. Agnes Wagner vom Verein Dental Volunteers (www.dental-volunteers.com) begleitet. Nach unserer Ankunft in Kampala am 9.3.2010 war am folgenden Tag Einkaufen geplant. Diverse Materialien für die Zahnbehandlung und 1200 Zahnbürsten, sowie Zahnpasta wurden eingekauft. Am 11.3. fuhren wir mit dem Bus nach Fort Portal, wo wir wie immer, mit großem Hallo begrüßt wurden. Wir bezogen unsere Zimmer in der Pfarrei von Father Fred (einem unserer Ansprechpartner) und besprachen die Zeitplanung für die kommenden 3 Wochen.
Projekt Kyombya
Der Stand der Projekte in Kyombya ist vielversprechend. David (wie im Vorjahr berichtet) hat die Landwirtschaftsschule in Kyembogo erfolgreich abgeschlossen. Zwei neue Bienenstöcke wurden im alten Bienenhaus installiert. Ein zweites Bienenhaus ist „im Rohbau“. Der Honig wird über die Imkervereinigung in Fort Portal vertrieben und hilft die Einkommenssituation der Dorfgemeinschaft zu verbessern. Vom Erlös des Honigverkaufs wurde eine weitere Muttersau angeschafft um die Anzahl der Schweine zu vergrößern. Die neue Ananaspflanzung, die David mit seiner Gruppe angelegt hat, sieht gut aus, in 2-3 Jahren werden die ersten Erträge erwartet. David plant den Zuckerrohranbau zu erweitern und hat mit einem alten Nachbarn eigenständig eine lobenswerte Abmachung getroffen. David darf mit seiner Gruppe das Vieh der Dorfgemeinschaft auf die Weiden des Nachbarn treiben und pflegt als Gegenleistung dessen Bananenplantage - ein viel versprechender Ansatz der Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt!
David wird uns seine Wunschliste von landwirtschaftlichem Werkzeug schicken. Diese manuellen Gerätschaften wird UAAH finanzieren, um die geplanten Aktivitäten der Jugendlichen zu unterstützen.
In Kyombya werden von unserem Verein 42 Kinder unterstützt.
In Kyombya wurden von Frau Dr. Wagner 103 Personen zahnärztlich untersucht, 48-mal war Zahnziehen angesagt.

Zahnputzdemo in Kyombya
Projekt Boma
In Boma wurde der Wunsch geäußert die Toilettenanlage des Kindergartens zu verlegen und zu erneuern. Die Planung hierzu ist jedoch meiner Meinung nach nicht ausgereift und muß überarbeitet werden. Father Hilary wird sich darum kümmern und eine Detailplanung erarbeiten, das wird die Basis für das weitere Vorgehen sein.
In Boma werden 59 Kinder in diesem Jahr unterstützt, davon 19 Kinder im eigenen Vorschulkindergarten, die von 2 Lehrerinnen betreut werden. Die Kinder erhalten täglich eine warme Mahlzeit, für die der Verein die Lebensmittel finanziert.
Die Zahnuntersuchung war gut organisiert, 135 Kinder und 2 alte Frauen wurden behandelt. Die Zähne der Kinder waren mehr oder weniger in Ordnung, das Problem ist, wie überall, die Zahnpflege.
Wir hoffen, dass die vorbildliche Erklärung des Zähneputzens am großen Zahnmodell und die verteilten Zahnbürsten die Kinder zum Zähneputzen animieren.
Die zwei alten Frauen waren sich nicht ganz sicher, ob sie sich von der großen, weißen Frau behandeln lassen sollten. Eine schickte die andere vor und als der Zahn gezogen war und die Erste noch auf beiden Beinen stand, war auch die Zweite bereit sich ihren kranken Zahn ziehen zu lassen.

Warten auf die Zahninspektion in Boma
Projekt Mabira
Die Fahrt nach Mabira war wieder abenteuerlich. Ein Vorderreifen von Hilary’s Auto verlor Luft. Der Reifen schaffte es bis Mabira, aber am nächsten Tag musste er repariert werden. Ohne Reparatur war die Fahrt zurück nach Fort Portal nicht zu schaffen. Laut Hilary war eine Werkstatt in der Nähe, in einer Stunde sei er wieder da. Es wurden über drei Stunden bis er wieder auftauchte, naja, wir sehen das wahrscheinlich zu eng.
Die Frauengruppe hat eine Zuckerrohrpresse mit unserer Hilfe angeschafft. Zum Einsatz kommt das Gerät jedoch nur wenn Geld gebraucht wird, es wird nicht auf Vorrat gearbeitet, da fehlt es an der Anleitung. Die Ananaspflanzung schaut gut aus und die Früchte lassen sich auch gut verkaufen, allerdings nur auf den lokalen Märkten. Mabira liegt schließlich ca. 40km von der nächsten Hauptverkehrsstraße entfernt.
Die Zahnaktion wird hier zur Schwerstarbeit für Frau Dr. Wagner. Es kommen nicht nur die 43 Kinder die wir unterstützen, sondern alle Schulkinder. 275 Inspektionen und 49-mal Zahnziehen werden in den 2 Tagen in Mabira von Frau Dr. Wagner abgearbeitet. Am zweiten Tag starten wir erst um 17.30 Uhr zur Rückfahrt nach Fort Portal wo wir um 20.30 Uhr eintreffen. Der Reifen hat gehalten!

Wartezimmer (links) und Behandlungszimmer (rechts) in Mabira
Projekt St. Theresa Vocational School Mahyoro
Father Fred fährt uns am Montag den 22.3.2010 nach Mahyoro zur St. Theresa Schule. Auf dem Weg dort hin machen wir Pause im Haus von Father Fred. Seine Mutter und seine Schwägerin begrüßen uns herzlich. Anschließend geht es weiter zur Schule. Wir beziehen unsere Zimmer, besprechen die Planung für die nächsten Tage und nach dem Abendessen geht es ins Bett.
Die Zahninspektion am nächsten Tag von ca. 200 Kindern wird zügig abgearbeitet. Die Problemfälle sollen am Tag darauf in die Krankenstation zur Behandlung kommen.
Laut John Bosco wird die Krankenstation von den Leuten gut besucht. Es ist ein Verwaltungsbau in Planung, Fundament ist bereits ausgehoben, UAAH wird sich daran nicht beteiligen.
Die St. Theresa Schule hat insgesamt 215 Schüler, 158 sind Internatsschüler und 57 kommen aus der näheren Umgebung und gehen täglich nach Hause. Für 20 Schüler hat UAAH die Unterstützung übernommen.
Projekt Ihunga Women’s Group und Ihunga Needy Orphans
Die Zähne von ca. 300 Kindern der Ihunga Primary School werden untersucht. Alle zeigen bereitwillig ihre Zähne, bis auf ein kleines Mädchen das partout den Mund nicht aufmachen will.
Die Gruppe der Ihunga Needy Orphans führt immer noch ihren kleinen Dorfladen. Der Leiter der Gruppe ist mittlerweile Lehrer an einer Primaryschool. Er will ein Zertifikat machen um zu einer offiziellen Anerkennung zu kommen. Ruth soll uns über John Bosco die nötige Information über die Kosten schicken. Eine große Freude für die Gruppe ist, dass ein Mitglied (Natamba Naboth) zum ersten Mal die mittlere Reife geschafft hat. Er wird ab Mai 2010 die Krankenpflege und Hebammen Schule in Ibanda besuchen. Javirah, ein weiteres Mitglied dieser Gruppe, hat ebenso wie David aus Kyombya, den Landwirtschaftskurs in Kyembogo erfolgreich abgeschlossen. Um sein Zertifikat zu bekommen muss er die Mittlere Reife nachholen. Da er gute Noten hat, wird er dabei vom Elternbeirat einer Schule in Fort Portal unterstützt.
Die Ihunga Frauengruppe besitzt 2 Getreidemühlen, jedoch ist nur eine in Betrieb. Die zweite Mühle hat ein defektes Mahlwerk, das in Ibanda in Reparatur ist. Die Wartung der Maschinen lässt zu wünschen übrig. Wartung ist im ganzen Land ein Problem. Durch den Erfolg der Frauen mit ihren Mühlen ist ihnen Konkurenz entstanden. Gleich nebenan hat ein Mann eine Mühle eröffnet und wirbt ihnen die Kunden ab.
Die Microcredit Bank benutzt das Konto der Frauengruppe für Ein – und Auszahlungen, mittelfristig ist jedoch ein eigenes Konto geplant. Die Aktivität funktioniert wie folgt:
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Man muss Mitglied der MC Bank werden und braucht dazu die Empfehlung von zwei Mitgliedern.
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Jedes Mitglied hat eine Art Sparbuch in dem die Ein – Auszahlungen verbucht werden.
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Die Bank führt ein Kundenkonto pro Kunde, die Summe der Kundenkonten wird im Hauptbuch ausgewiesen.
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Voraussetzung für einen Kredit ist ein Sparguthaben, der Kredit ist auf das 3-fache des Guthabens begrenzt.
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Werden seitens der Bank Rückzahlungsprobleme erwartet werden Sicherheiten verlangt, Werte, z.B. Fahrrad oder Bürgschaften von Mitgliedern.
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Fällige Zinsen werden bei den Rückzahlungen abgerechnet.
Die Microcredit Bank ist gut geführt und wird von den Mitgliedern gut genutzt. Die Zinsen liegen bei 2% im Vergleich zu den Geschäftsbanken mit 17 bis 19%.
Zusammenfassung
Meines Erachtens und nach meinen Eindrücken auf dieser Inspektionsreise muss UAAH den Schwerpunkt auf Schulbildung beibehalten. Eine Ausweitung auf weiterführende Ausbildung, wie an die Schule anschließende Kurse für Landwirtschaft, Mechanik und Krankenpflege ist, soweit finanziell für den Verein leistbar, unbedingt zu fördern. Universitätsstipendien sind für unseren Verein zu teuer und die Auswahl der Kandidaten ist abhängig von den nicht verifizierbaren Empfehlungen vor Ort.
Hilfe zur Selbsthilfe ist unser oberster Grundsatz – nicht immer einfach zu verwirklichen – denn die afrikanische Kultur ist für uns Europäer nicht immer zu verstehen. Bedingt durch unsere Jahreszeiten waren wir schon immer gezwungen, Vorratshaltung zu pflegen. In Uganda wachsen das ganze Jahr Agrarprodukte. Die Menschen haben immer nur soviel angebaut, wie eben für den Eigenbedarf benötigt wurde. Jetzt erst wird Geld wichtig, um Schulgeld zu bezahlen, um Medizin zu kaufen etc. Dieser Lernprozess ist im Gang, jedoch müssen wir Geduld zeigen und Vorbilder aufbauen.
Wir werden Geld nur sehr kontrolliert fließen lassen und Kontrolle ist unser oberstes Gebot.
Wir sehen Erfolge – müssen aber auch mit Misserfolgen zurechtkommen und daraus lernen.